Frauenporträts – 100 Jahre Frauenzentrale Aargau – FrauenStimmen

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Frauenzentrale Aargau veröffentlichen wir im Laufe des Jahres 52  Frauenporträts

Damit wollen wir ein Zeichen setzen – jede Frau soll ihre Stimme erheben – stehen wir zu unseren Meinungen und Sichtweisen, denn diese sind wichtig, wir brauchen alle Stimmen um das Ganze zu sehen.

Fotografin Iris Krebs


Frauenstimme der Woche / 01.03.2021

Lotti Baumann

Wer bist du
Ich bin Lotti Baumann, JG 74 von Beruf Bäuerin und Mutter von 4 Kindern

Wofür erhebst du deine Stimme
Ich setzte mich dafür ein, dass Bäuerinnen nicht in erster Linie zum Wohle des Betriebs und der Familie arbeiten und oft auch schweigen. Nur wenn Bäuerinnen ihre eigenen Werte leben und sich für ihre Rechte einsetzten, kann sich die Landwirtschaft insgesamt ändern. Ich setze mich dafür ein, dass Haus- und Familienarbeit genauso emanzipiert ist, wie jede andere bezahlte Arbeit auch.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Ungeduldig auf einer Wolke gewartet, bis die Zeit reif war, das Stimmrecht schon bei meiner Geburt (1974) als Geburtsrecht zu bekommen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu
Wir müssen aufhören zu werten. Jeder/jede soll ihr Leben leben dürfen, wie er/sie es sich vorstellt.

Wovon träumst du
Dass Frauen, die sich einsetzen, diskutieren und ihre Meinung durchsetzen, nicht als „schwierig“ empfunden werden.

Worauf bist du besonders stolz
Auf jede Angst, die ich überwunden habe, vor Leuten reden, Autobahn fahren, alleine irgendwohin gehen, Verantwortung übernehmen und natürlich auf meine Kinder.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Dass die Gesellschaft offen wird für alle Formen des Lebens, ohne zu werten.
Dass wir jedem Menschen zutrauen, Verantwortung für sich zu übernehmen.
Wenn jeder für sich selber schaut, ist für alle gesorgt.

Leitsatz
Ein kleiner Funke kann große Feuer entfachen


Frauenstimme der Woche / 22.02.2021

Amal Wawlud aus Fahrwangen

Wer bist du
Ich bin Amal, eine einfache Frau und eine Kämpferin. Mein Name hat eine Bedeutung. Amal heisst Hoffnung. Ich wohne in Fahrwangen seit 21 Jahren. Damals kamen wir als Asylanten in die Schweiz. Ich bin verheiratet und habe 4 Kinder und 2 Enkelkinder. Ich kümmere mich um meine Familie und arbeite noch als Köchin.

Was ist dir wichtig im Leben
Zufriedenheit, das ist mir wichtig. Dass wir Menschen die Fähigkeit haben Freude zu erkennen. Das können ganz kleine Sachen sein z.B. eine Blume oder ein Vogel der singt. Ich finde es sehr schön, wenn ich am Morgen aufstehe und die Sonne scheint, dann beginnt für mich ein zufriedener Tag.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Damals war ich 5 Jahre alt. Da lebte ich im Irak. Meine Mutter hat mir ein Ämtli gegeben. Sie sagte, du musst lernen Wäsche von Hand zu waschen und Wäsche aufzuhängen.

Was bedeutet dir Chancengleichheit
Ich habe schon als kleines Kind nicht akzeptieren können, dass ich Arbeiten im Haushalt machen musste und meine Brüder nicht. Mein grosser Bruder wollte mir einmal helfen, aber meine Mutter lies es nicht zu und meinte, das sei Frauenarbeit. Ich war eine Rebellin, ich konnte nicht verstehen und akzeptieren warum ich vieles nicht durfte, meine Brüder aber schon. Habe oft «nein» gesagt.

Die Eltern, speziell die Frauen, haben es mit der Erziehung der Kinder in der Hand, dass die Chancengleichheit selbstverständlich gelebt wird.

Von was träumst du
Wenn ich 60 Jahre bin, möchte ich einen Fotoapparat. Ich werde damit auf Reise gehen und arme Länder besuchen. Dort fotografiere ich Menschen die vergessen wurden. Kinder, die auf der Strasse leben, alte und beeinträchtige Menschen ohne Unterstützung. Dann organisiere ich eine Ausstellung und zeige meine Fotos. Fotos die das Leben schrieb.

Auf was bist du stolz
Ich konnte nur 6 Jahre die Schule besuchen und hatte keine Möglichkeit eine Ausbildung zu machen. Ich habe keine Papiere, die ich ausweisen kann.

Hier habe ich die Chance bekommen mich zu entwickeln. Lernte die Sprache, engagierte mich im Dorf, im Frauenverein. Bin heute gut integriert und habe viele gute und schöne Kontakte mit anderen.

Trotz vielen negativen Einflüssen habe ich gelernt Auto zu fahren und habe die Prüfung geschafft. Ich habe es geschafft, weil ich auf mich hörte und nicht auf andere. Das Autofahren ermöglichte mir, dass ich heute einen Job als Köchin ausüben kann.

Das Leben in der Schweiz
Nach drei Jahren in der Schweiz, habe ich mich als Frau wie neu geboren gefühlt. Mich interessierte die Kultur. Mir hat es gefallen, wie die Frauen gekämpft haben und finde es schön, welche Rechte sie haben. Es beeindruckt mich, dass es keinen Beruf gibt, den die Frauen nicht lernen könnten. Wie überall gibt es einiges, das nicht gut ist.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Dass man Menschen aus anderen Kulturen zuerst kennen lernt, bevor man ein Urteil bildet. Es gibt in jedem Land gute und schlechte Menschen.

Dass ich weiter arbeiten kann bis zur Pensionierung. Ich möchte immer selbständig bleiben bis zum Ende meines Lebens und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Leitsatz für das Leben
Nur wenn Du respektvoll mit anderen umgehst, wirst Du selbst Respekt ernten.


Frauenstimme der Woche / 15. Februar 2021

Regine Kern

Wer bist du?
Ich heisse Regine Kern Fässler, lebe mit meinem Mann und unseren drei jugendlichen und erwachsenen Kindern in Rombach.

Ich bin gelernte Gärtnerin, habe ein Studium in Hortikultur FH abgeschlossen, bin Gartenfachfrau und ausgebildete Ausbildnerin, Feldornithologin und glückliche Familienfrau. In meiner Freizeit pflege ich mit viel Leidenschaft unseren Naturgarten und leite eine ornithologische Naturjugendgruppe.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Für den achtsamen Umgang mit unserem Boden, für den Schutz von Natur- und Umwelt. Für Offenheit und Toleranz, für ein respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
In diesem Jahr bin ich zur Welt gekommen, an einem eisigen Wintertag. In diesem Jahr wohnten wir in einem abgelegenen Weiler auf dem bäuerlichen Betrieb meiner Grosseltern und Verwandten – zu diesem Flecken Erde spüre ich noch heute eine tiefe Verbundenheit.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Frauen, die mutig und gut ausgebildet sind und sich für sich selber einsetzen. Politische und gesellschaftliche Systeme, die den Frauen die gleichen Chancen ermöglichen. Mehr Frauen in Führungspositionen. Frauen, die andere Frauen in ihren Entscheidungen unterstützen.

Wovon träumst du?
Von einem grossen Garten voller Blumen und Gemüse, in dem ich mein Fachwissen über den naturnahen Garten, den biologischen Anbau von Gemüse, Kräutern und Beeren weitergeben kann. Ein Ort, der Menschen verbindet. Eine Oase, die entschleunigt und den Menschen die Vielfalt und Schönheit, Faszination und Verletzlichkeit der Natur nahebringt.

Woraus bist du besonders stolz?
Auf den schönen Schulgarten am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, den ich mit meinem Team aufgebaut habe. Auf die Mitwirkung beim neuen Brutvogelatlas der Vogelwarte Sempach. Auf die Distelfinken, Holzbienen und Zauneidechsen in unserem Garten.

Auf meine drei Kinder, die mutig für eine gerechte Zukunft einstehen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir der nächsten Generation einen gesunden und fruchtbaren Boden weitergeben. Dass weltweit mehr Frauen im Besitz von landwirtschaftlichem Boden sind. Dass wir gemeinsam den dramatischen Artenschwund und das Verschwinden von wertvollen Lebensräumen vor unserer Haustüre aufhalten.

Leitsatz
Selber denken und meinen Werten treu sein


Frauenstimme der Woche / 8. Februar 2021

Heidi Ammann

Wer bist du?
Eine selbstbewusste Frau, selbstständig und verwitwet.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Demut vor unserer Natur.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Als 14jährige entdeckte ich die Möglichkeiten des Lebens.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Menschen nach ihren Fähigkeiten zu messen und zu fördern, ob Frau oder Mann darf nicht maßgebend sein.

Wovon träumst du?
Eine Menschheit ohne Missgunst und Neid. Wer etwas erreicht im Leben hat meistens viel gewagt und manch anderer profitiert davon. Glück fällt nicht vom Himmel, das muss erarbeitet und erkämpft werden.

Worauf bist du besonders stolz?
Trotz dem plötzlichen Tod meines Mannes konnte ich mich als Witwe behaupten. Ich musste für unseren Schreinereibetrieb und unsere Mitarbeiter eine Nachfolgeregelung suchen, seitdem verwalte ich unsere gemeinsam erstellte Immobilie mit eingemieteten Firmen. Später bestand ich die Jagdprüfung und wurde als Pächterin aufgenommen. In dieser Männerdomäne führe ich seit einigen Jahren unseren Jagdverein als Präsidentin und Jagdleiterin.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Statt Ehebund neue „Lebensgemeinschaften“ definieren welche in die heutige Zeit passen, diese sollten für Eltern sowie deren Kinder besser zu leben, besser zu verwirklichen sein. Unsere Kinder sollen sich auf dem Erreichten ihrer Vorfahren weiter entwickeln, verändern und aufbauen dürfen.

Leitsatz
Achtung vor allen Lebewesen und unserer Natur.


Frauenstimme der Woche / 1. Februar 2021

Eva Noth, Familienfrau und Musikerin

Wer bist du?
Eva Noth, Familienfrau und Musikerin, Eva steht für LEBEN, Not(h) erlebe ich zum Glück selten, da ich viel Musik um mich herum habe…

Wofür erhebst du deine Stimme?
Für ein menschliches Miteinander und einen respektvollen Umgang mit Mutter Natur.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Sternchen geputzt und mich darauf vorbereitet, in einem Jahr auf die Welt zu kommen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Funktionierende Netze, unterstützende Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, wohlwollende Chef*innen. Menschen in Führungspositionen, die wissen, dass uns alle Lebenserfahrungen weiterbringen - familiäre ebenso wie berufliche. Offenheit gegenüber andere. Begegnungen zulassen mit Menschen jeglicher Art, jeglichen Alters, jeglicher Begabung.

Wovon träumst du?
Von einer Welt, in der in allen Ländern und Kulturen Frauen körperlich unversehrt bleiben und Zugang zu Bildung und freier Partnerwahl haben.

Woraus bist du besonders stolz?
Auf unsere drei Töchter, für die Emanzipation viel selbstverständlicher ist als für meine Generation. Und auf meinen Spagat, Familie, Beruf und musikalische Berufung unter einen Hut zu bringen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Für alle Mädchen und Frauen ein weiter wachsendes Selbstverständnis, auf dass meine Enkelinnen sich dereinst wundern, dass es mal eine Zeit gab, in der zum Beispiel Männer mehr verdienten als Frauen.

Leitsatz
Miteinander zuversichtlich unterwegs!


Frauenstimme der Woche / 25. Januar 2021

Pia Viel

Wer bist du?
Ich bin Pia Viel, 61 Jahre jung, positiv, Energie geladen und immer für Neues zu begeistern. Ich lebe im Raum Baden und hier bin ich auch aufgewachsen. Meine Mitbewohner sind mein Mann, mein Sohn, Kater Leo und 11 Landschildkröten. Schon früh habe ich gemerkt, dass ich gerne Führung übernehme und gerne eigenständige Wege gehe.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Bildung, Chancengleichheit, Familien und Frauen dafür setze ich mich ein. Angefangen hat alles vor über 20 Jahren im Katholischen Frauenverein Ehrendingen, als ich in den Vorstand gewählt wurde. Das Amt der Kassierin habe ich über 10 Jahre lang ausgeübt. In dieser Zeit wurde ich auch in die Schulpflege gewählt, habe vier Jahre den Kindergarten betreut und ganz nebenbei den Mittagstisch Ehrendingen gegründet. Für weitere 8 Jahre war ich dann auch als Schulpflegepräsidentin tätig und habe dieses Amt mit viel Engagement ausgeführt.

Durch den Aufbau, die Führung und den Ausbau des Mittagstisches in Ehrendingen kam ich mit vielen administrativen und politischen Schwierigkeiten in Berührung. In vielen Ortschaften wurden Vereine gegründet oder Eltern- und Frauenvereine übernahmen die Aufgabe ohne Hilfe von Behörden und finanziellen Ressourcen. Man begrüsste die Angebote, aber eine Unterstützung musste immer hart erkämpft werden. Damit diese Arbeit nicht jede Organisation neu erfinden musste, gründete ich mit vier Gleichgesinnten den Dachverband Tagesstrukturen Mittagstisch Aargau. Wir halfen mit Knowhow, mit Mustervorlagen, Weiterbildung für Betreuerinnen und Vorstandsmitglieder und setzten uns politisch für das neue Kinderbetreuungsgesetz im Kanton Aargau ein. Diese Arbeit führen wir auch heute noch weiter.

Nicht lange nach der Beendung meiner Schulpflegearbeit kam die Anfrage für den AKF Aargauischen Katholischen Frauenbund. Zuerst arbeitete ich in der Frauenpreiskommission, danach kam das CO-Präsidium und seit 2017 das Präsidium. Als ich meine erste Delegiertenversammlung vor über 120 Frauen durchführte, spürte ich die enorme Frauenpower im Saal. Jede dieser Frauen engagiert sich im Ortsverein mit viel Engagement für die verschiedensten Anliegen mit freiwilliger Arbeit. Auch heute noch macht es mich stolz ihre Präsidentin zu sein und es ist mir ein grosses Anliegen mich für die Frauen in der Kirche, in der Gesellschaft und in der Politik einzusetzen.

Warum engagierst du dich in der Politik?
Durch Vernetzungen im Zusammenhang mit meinen Tätigkeiten kam ich erst in den letzten fünf Jahren zur Politik und kandierte schon zweimal für den Grossen Rat und einmal an den Nationalratswahlen. Wahlkampf habe ich als ein spannendes Wir Erlebnis empfunden. Man kämpft zusammen im Team für ein gutes Parteiergebnis, damit die Ziele der Partei umgesetzt werden können. Zurzeit bin ich die Präsidentin der CVP im Bezirk Baden. Hier kann ich mich für meine Werte einsetzen, Menschlichkeit, Solidarität und Respekt. Und erhebe meine Stimme für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Chancengleichheit auf der Welt, wie auch für Mann und Frau: Von jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde, ein bisschen mehr Toleranz gegenüber dem Anderen.

Für die Zukunft ist mein Wunsch ein gutes Miteinander von allen Menschen in der Gesellschaft, der Wirtschaft und auch in der Kirche.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Ich war 12 Jahre alt und besuchte die Sekundarschule in Untersiggenthal. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Denn meine Mutter und auch mein Vater waren sehr stolz, als meine Mutter das Stimmrecht erhielt und sie liess nie eine Abstimmung aus. Es war ihr wichtig dieses Recht der Stimmabgabe wahrzunehmen und an uns Kinder hat sie diese Wichtigkeit weitergegeben.

Worauf bist du besonders stolz?
Ich bin jederzeit offen für neue Projekte und reisse sie auch gerne an. Für die nötige Unterstützung hole ich mir je nach Sache, Personen mit Fachwissen oder mit Interesse ins Team. Ich bin stolz wenn ich die Ressourcen jedes einzelnen Teammitgliedes hervorbringen konnte und Wir gemeinsam etwas erreicht haben oder ins Rollen gebracht haben.

Leitsatz
„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei)


Frauenstimme der Woche / 18. Januar 2021

Melanie Holle
«Den Kampf wird es immer geben»

Wer bist du?
Ich bin ich. Melanie Holle, zwanzig Jahre alt und Studentin Pädagogik.

Ich bin eine dieser jungen Frauen, die es satthaben eine Besonderheit auf politischen Events zu sein. Ich bezeichne mich selbst als eine ehrgeizige, willensstarke und fröhliche Person. Ich mag es anderen Menschen zu helfen, ihnen durch kleine oder grosse Gesten ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. Für mich ist das Leben kein Geschenk, sondern eine Chance einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Ich gehe gerne mit einem Lächeln und einem ersten Blick durch diese Welt. Das Lächeln, um den Menschen Mut und Freude zu bringen, der ernste Blick, um sie wissen zu lassen, dass ich meine, was immer ich sage. Ich bin im Allgemeinen der Überzeugung Taten sagen mehr als Worte.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Ich setze mich für jene ein, deren Stimme nicht gehört werden. Ich setze mich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, Ethnien, sexuellen Orientierungen und Religionen ein. Ich möchte nicht weiter in einer Welt leben, in der gewisse Menschen von der Gesellschaft und ihren Vertretern systematisch diskriminiert werden. Dies bedeutet für mich auch, dass ich mich für den Systemwandel und den Kampf gegen den Klimawandel einsetze. Denn dieser fördert und schafft weitere Ungleichheiten, welche es zu verhindern gilt.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Als mein einzigen Nachteil, eine der jüngeren Frauen in der Politik zu sein, sehe ich, dass ich weder die Einführung des Frauenwahlrechts noch den ersten Frauenstreik erlebt habe. Aus diesem Grund kann ich diese Frage nur mit Humor und „meine Eltern waren noch nicht mal geboren also nichts“, beantworten.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Die Unterstützung und Förderung aller Menschen unserer Gesellschaft muss zur obersten Priorität der Politik werden. Für mich als zukünftige Lehrerin bedeutet das, dass ich gratis Nachhilfe und Unterstützung aller Schüler*innen und ihrer Eltern, unabhängig ihrer Nationalität oder finanziellen Situation, zu meiner obersten Priorität machen möchte. Kinder, die sich in den Auffangstationen für Flüchtlinge befinden, verdienen genauso Unterricht und Förderung wie jene die es nicht tun. Von der Gesellschaft braucht es die Anerkennung aller Menschen. Von der Politik braucht es im Gegenzug gezielte Programme zur Unterstützung jener Menschen mit weniger Geld oder Möglichkeiten. Für mich ist klar, dass das Einkommen der Eltern keine Rolle spielen sollte, weder im Berufswunsch noch in der Vorstellung der Lebensgestaltung von Kindern.

Wovon träumst du?
Ich träume von einer Regierung die systematischen Rassismus, Sexismus und Homophobie nicht nur theoretisch, sondern praktisch bekämpft. Ich möchte dies erreichen, in dem ich mich jetzt für eine nachhaltige und soziale Politik einsetze und mich nicht unterkriegen lasse. Konkret ist es mein Wunsch, dass es in Zukunft keine Schlagzeilen mehr gibt, wenn eine Frau Vizepräsidentin von Amerika wird, sondern dass dies der Normalität entspricht. 

Worauf bist du besonders stolz?
Mit meinem Engagement in der Politik kleinen Mädchen zu zeigen, dass man weder alt noch männlich sein muss und auch keine Liste voller politischer Ämter braucht, um etwas verändern zu können. Ich habe im Jahr 2020 mehrfach die Chance erhalten zu zeigen, für was ich stehe und was mir wichtig ist, dafür bin ich dankbar und habe mich selbst stolz gemacht. Zum Beispiel mein Vortrag zum Thema Klimafeminismus am Event „Frauen und Politik Fricktal“. Ich bin generell der Meinung das Taten mehr sagen als Worte. Es stört mich das sich die Medien oft mehr für die Politiker und ihre Familienplanung als ihre Taten, wofür sie sich einsetzen interessieren. 

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Mädchen* und Jungen* die die Hoffnung genauso wenig aufgeben wie ich und jeden Tag für ihre Rechte einstehen und für diese kämpfen. Ich denke es ist eine Illusion, dass der Kampf für Gerechtigkeit und deren Einhaltung mit meiner Generation zu Ende geht. Diesen Kampf wird es immer geben, doch die Menschen, die ihn führen werden nicht mehr Aussenseiter, sondern die Mehrheit sein.

Leitsatz
Taten statt Worte.


Frauenstimme der Woche / 11. Januar 2021

Margrit Hasler, Muhen
«Menschen unvoreingenommen begegnen»

Wer bist du?
Mein Name ist Margrit Hasler - ich sehe mich als gesellige, humorvolle und unternehmungslustige Person und geniesse das Leben in all seinen Fassetten. Aufgewachsen bin ich in Muhen, als jüngste von vier Geschwistern und durfte eine sehr liebevolle Kindheit verbringen. Beruflich konnte ich meiner Leidenschaft als Damen und Herren Coiffeure erfüllt bis zur Pension nachgehen. Aus der Ehe mit meinem langjährigen Partner entstand eine Familie mit zwei gesunden Kindern, mit dem frühen und unerwarteten Tod meines Mannes hat sich unser Leben jedoch drastisch verändert. Plötzlich waren wir auf uns allein gestellt. Auch dank der Unterstützung der Familie und Freunde lernten wir das Leben neu zu bewältigen, was uns glücklicherweise gut gelungen ist und wofür ich dankbar bin.

Wofür erhebst du deine Stimme?
-Familie und Freunde
-Gerechtigkeit
-Sicherheit
-Vertrauen
-Mitbestimmung in Form unserer CH-Stimmabgabe Möglichkeit

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Nach meiner Schulzeit absolvierte ich ein Haushaltsjahr und durfte dabei viele Erfahrungen sammeln.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
In meinen Augen ist es wichtig den Menschen unvoreingenommen zu begegnen, sie wahrzunehmen und zu anerkennen, damit eine Gleichberechtigung möglich ist.

Wovon träumst du?
Wenn es meine Gesundheit erlaubt, wünsche ich mir noch lange in meinem Zuhause bleiben zu können, um den Garten zu pflegen und zu geniessen. Weiter träume ich von einer Reise ins Ausland, um eine Fremdsprache zu erlernen.

Worauf bis du besonders stolz?
Besonders glücklich und sehr stolz bin ich auf meine beiden Kinder, die selbstständig ihren Weg gehen und schätze, dass wir es zusammen «guet händ».

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die nächste Generation zufrieden, in einer sicheren sowie umweltbewussteren Welt aufwachsen wird und gute Zukunftsperspektiven hat.

Leitsatz
Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen.
Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe.
Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.
~Laozi/Laotse~


Frauenstimme der Woche / 4. Januar 2021

Chiara Schlenz (19, Studentin und Journalistin): «Mir liegt Gleichberechtigung in jedem Sinn sehr am Herzen.»

Wer bist du?
Mein Name ist Chiara Schlenz, ich bin Journalistin, Studentin, Tochter und Freundin. Zum Zeitpunkt dieses Interviews bin ich noch nicht ganz 20 und beende mein erstes Semester an der Fachhochschule.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Mir liegt Gleichberechtigung in allen Sinnen sehr am Herzen. Dazu zähle ich nicht nur die Gleichheit von Frau und Mann – sondern auch von unterschiedlichen Herkünften, sozialen Schichten und auch Sexualitäten und Persönlichkeiten.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Im Jahr 1971 war ich noch weit hinter dem Mond, wie man so schön sagt.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Um wahre Chancengleichheit zu erreichen braucht es noch weitaus mehr Bestrebungen, privat sowie auch politisch. Unsere Gesellschaft muss umdenken und handeln. Leere Worte und Frauenquoten reichen nicht mehr aus. Die Gesellschaft muss nachhaltig auf die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern sensibilisiert und aufgeklärt werden.

Wovon träumst du?
Ich freue mich schon sehr darauf, mein Studium abzuschliessen und dann „richtig“ arbeiten zu können. Auch möchte ich gerne noch mehr Reisen und andere Kulturen kennenlernen – und mehr Zeit haben um zu lesen.

Worauf bist du besonders stolz?
Besonders stolz bin ich wohl auf meinen beruflichen Werdegang. Ich konnte schon direkt nach der Mittelschule damit beginnen, meinen Traumberuf auszuüben und meine Chancen zu nutzen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass unsere Generationen ihre Probleme selber in den Griff bekommt und zukünftige Generationen nicht ebenfalls unter Diskriminierung und Benachteiligung aller Art und dem Klimawandel leiden müssen.

Leitsatz
Sag es so, wie es ist.

Aargauer Zeitung
Porträtserie
Frauenstimmen aus dem Aargau: «Sag es so, wie es ist»


Unter dem Dach der Frauenzentrale Aargau laufen folgende Dienstleistungsbetriebe mit Angeboten für Frauen und ihr soziales Umfeld sowie für Menschen in schwierigen Lebenssituationen:

Anlaufstelle Häusliche Gewalt 
Selbsthilfezentrum
Alimenteninkasso
Budgetberatung
Rechtsberatung
Trennungsberatung
Mütterhilfe

 
Wir sind eine private Non-Profit-Organisation, parteipolitisch unabhängig und konfessionell neutral.

Vereinbarkeit von Lebenswelten