Frauenporträts – 100 Jahre Frauenzentrale Aargau – FrauenStimmen

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Frauenzentrale Aargau veröffentlichen wir im Laufe des Jahres 52  Frauenporträts

Damit wollen wir ein Zeichen setzen – jede Frau soll ihre Stimme erheben – stehen wir zu unseren Meinungen und Sichtweisen, denn diese sind wichtig, wir brauchen alle Stimmen um das Ganze zu sehen.

Fotografin Iris Krebs


Frauenstimme der Woche / 18. Januar 2021

Melanie Holle
«Den Kampf wird es immer geben»

Wer bist du?
Ich bin ich. Melanie Holle, zwanzig Jahre alt und Studentin Pädagogik.

Ich bin eine dieser jungen Frauen, die es satthaben eine Besonderheit auf politischen Events zu sein. Ich bezeichne mich selbst als eine ehrgeizige, willensstarke und fröhliche Person. Ich mag es anderen Menschen zu helfen, ihnen durch kleine oder grosse Gesten ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. Für mich ist das Leben kein Geschenk, sondern eine Chance einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Ich gehe gerne mit einem Lächeln und einem ersten Blick durch diese Welt. Das Lächeln, um den Menschen Mut und Freude zu bringen, der ernste Blick, um sie wissen zu lassen, dass ich meine, was immer ich sage. Ich bin im Allgemeinen der Überzeugung Taten sagen mehr als Worte.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Ich setze mich für jene ein, deren Stimme nicht gehört werden. Ich setze mich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, Ethnien, sexuellen Orientierungen und Religionen ein. Ich möchte nicht weiter in einer Welt leben, in der gewisse Menschen von der Gesellschaft und ihren Vertretern systematisch diskriminiert werden. Dies bedeutet für mich auch, dass ich mich für den Systemwandel und den Kampf gegen den Klimawandel einsetze. Denn dieser fördert und schafft weitere Ungleichheiten, welche es zu verhindern gilt.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Als mein einzigen Nachteil, eine der jüngeren Frauen in der Politik zu sein, sehe ich, dass ich weder die Einführung des Frauenwahlrechts noch den ersten Frauenstreik erlebt habe. Aus diesem Grund kann ich diese Frage nur mit Humor und „meine Eltern waren noch nicht mal geboren also nichts“, beantworten.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Die Unterstützung und Förderung aller Menschen unserer Gesellschaft muss zur obersten Priorität der Politik werden. Für mich als zukünftige Lehrerin bedeutet das, dass ich gratis Nachhilfe und Unterstützung aller Schüler*innen und ihrer Eltern, unabhängig ihrer Nationalität oder finanziellen Situation, zu meiner obersten Priorität machen möchte. Kinder, die sich in den Auffangstationen für Flüchtlinge befinden, verdienen genauso Unterricht und Förderung wie jene die es nicht tun. Von der Gesellschaft braucht es die Anerkennung aller Menschen. Von der Politik braucht es im Gegenzug gezielte Programme zur Unterstützung jener Menschen mit weniger Geld oder Möglichkeiten. Für mich ist klar, dass das Einkommen der Eltern keine Rolle spielen sollte, weder im Berufswunsch noch in der Vorstellung der Lebensgestaltung von Kindern.

Wovon träumst du?
Ich träume von einer Regierung die systematischen Rassismus, Sexismus und Homophobie nicht nur theoretisch, sondern praktisch bekämpft. Ich möchte dies erreichen, in dem ich mich jetzt für eine nachhaltige und soziale Politik einsetze und mich nicht unterkriegen lasse. Konkret ist es mein Wunsch, dass es in Zukunft keine Schlagzeilen mehr gibt, wenn eine Frau Vizepräsidentin von Amerika wird, sondern dass dies der Normalität entspricht. 

Worauf bist du besonders stolz?
Mit meinem Engagement in der Politik kleinen Mädchen zu zeigen, dass man weder alt noch männlich sein muss und auch keine Liste voller politischer Ämter braucht, um etwas verändern zu können. Ich habe im Jahr 2020 mehrfach die Chance erhalten zu zeigen, für was ich stehe und was mir wichtig ist, dafür bin ich dankbar und habe mich selbst stolz gemacht. Zum Beispiel mein Vortrag zum Thema Klimafeminismus am Event „Frauen und Politik Fricktal“. Ich bin generell der Meinung das Taten mehr sagen als Worte. Es stört mich das sich die Medien oft mehr für die Politiker und ihre Familienplanung als ihre Taten, wofür sie sich einsetzen interessieren. 

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Mädchen* und Jungen* die die Hoffnung genauso wenig aufgeben wie ich und jeden Tag für ihre Rechte einstehen und für diese kämpfen. Ich denke es ist eine Illusion, dass der Kampf für Gerechtigkeit und deren Einhaltung mit meiner Generation zu Ende geht. Diesen Kampf wird es immer geben, doch die Menschen, die ihn führen werden nicht mehr Aussenseiter, sondern die Mehrheit sein.

Leitsatz
Taten statt Worte.


Frauenstimme der Woche / 11. Januar 2021

Margrit Hasler, Muhen
«Menschen unvoreingenommen begegnen»

Wer bist du?
Mein Name ist Margrit Hasler - ich sehe mich als gesellige, humorvolle und unternehmungslustige Person und geniesse das Leben in all seinen Fassetten. Aufgewachsen bin ich in Muhen, als jüngste von vier Geschwistern und durfte eine sehr liebevolle Kindheit verbringen. Beruflich konnte ich meiner Leidenschaft als Damen und Herren Coiffeure erfüllt bis zur Pension nachgehen. Aus der Ehe mit meinem langjährigen Partner entstand eine Familie mit zwei gesunden Kindern, mit dem frühen und unerwarteten Tod meines Mannes hat sich unser Leben jedoch drastisch verändert. Plötzlich waren wir auf uns allein gestellt. Auch dank der Unterstützung der Familie und Freunde lernten wir das Leben neu zu bewältigen, was uns glücklicherweise gut gelungen ist und wofür ich dankbar bin.

Wofür erhebst du deine Stimme?
-Familie und Freunde
-Gerechtigkeit
-Sicherheit
-Vertrauen
-Mitbestimmung in Form unserer CH-Stimmabgabe Möglichkeit

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Nach meiner Schulzeit absolvierte ich ein Haushaltsjahr und durfte dabei viele Erfahrungen sammeln.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
In meinen Augen ist es wichtig den Menschen unvoreingenommen zu begegnen, sie wahrzunehmen und zu anerkennen, damit eine Gleichberechtigung möglich ist.

Wovon träumst du?
Wenn es meine Gesundheit erlaubt, wünsche ich mir noch lange in meinem Zuhause bleiben zu können, um den Garten zu pflegen und zu geniessen. Weiter träume ich von einer Reise ins Ausland, um eine Fremdsprache zu erlernen.

Worauf bis du besonders stolz?
Besonders glücklich und sehr stolz bin ich auf meine beiden Kinder, die selbstständig ihren Weg gehen und schätze, dass wir es zusammen «guet händ».

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die nächste Generation zufrieden, in einer sicheren sowie umweltbewussteren Welt aufwachsen wird und gute Zukunftsperspektiven hat.

Leitsatz
Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen.
Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe.
Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.
~Laozi/Laotse~


Frauenstimme der Woche / 4. Januar 2021

Chiara Schlenz (19, Studentin und Journalistin): «Mir liegt Gleichberechtigung in jedem Sinn sehr am Herzen.»

Wer bist du?
Mein Name ist Chiara Schlenz, ich bin Journalistin, Studentin, Tochter und Freundin. Zum Zeitpunkt dieses Interviews bin ich noch nicht ganz 20 und beende mein erstes Semester an der Fachhochschule.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Mir liegt Gleichberechtigung in allen Sinnen sehr am Herzen. Dazu zähle ich nicht nur die Gleichheit von Frau und Mann – sondern auch von unterschiedlichen Herkünften, sozialen Schichten und auch Sexualitäten und Persönlichkeiten.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Im Jahr 1971 war ich noch weit hinter dem Mond, wie man so schön sagt.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Um wahre Chancengleichheit zu erreichen braucht es noch weitaus mehr Bestrebungen, privat sowie auch politisch. Unsere Gesellschaft muss umdenken und handeln. Leere Worte und Frauenquoten reichen nicht mehr aus. Die Gesellschaft muss nachhaltig auf die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern sensibilisiert und aufgeklärt werden.

Wovon träumst du?
Ich freue mich schon sehr darauf, mein Studium abzuschliessen und dann „richtig“ arbeiten zu können. Auch möchte ich gerne noch mehr Reisen und andere Kulturen kennenlernen – und mehr Zeit haben um zu lesen.

Worauf bist du besonders stolz?
Besonders stolz bin ich wohl auf meinen beruflichen Werdegang. Ich konnte schon direkt nach der Mittelschule damit beginnen, meinen Traumberuf auszuüben und meine Chancen zu nutzen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass unsere Generationen ihre Probleme selber in den Griff bekommt und zukünftige Generationen nicht ebenfalls unter Diskriminierung und Benachteiligung aller Art und dem Klimawandel leiden müssen.

Leitsatz
Sag es so, wie es ist.

Aargauer Zeitung
Porträtserie
Frauenstimmen aus dem Aargau: «Sag es so, wie es ist»


Unter dem Dach der Frauenzentrale Aargau laufen folgende Dienstleistungsbetriebe mit Angeboten für Frauen und ihr soziales Umfeld sowie für Menschen in schwierigen Lebenssituationen:

Anlaufstelle Häusliche Gewalt 
Selbsthilfezentrum
Alimenteninkasso
Budgetberatung
Rechtsberatung
Trennungsberatung
Mütterhilfe

 
Wir sind eine private Non-Profit-Organisation, parteipolitisch unabhängig und konfessionell neutral.

Vereinbarkeit von Lebenswelten