Frauenporträts – 100 Jahre Frauenzentrale Aargau – FrauenStimmen

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Frauenzentrale Aargau veröffentlichen wir im Laufe des Jahres 52  Frauenporträts

Damit wollen wir ein Zeichen setzen – jede Frau soll ihre Stimme erheben – stehen wir zu unseren Meinungen und Sichtweisen, denn diese sind wichtig, wir brauchen alle Stimmen um das Ganze zu sehen.

Fotografin Iris Krebs


Frauenstimme der Woche / 03.05.2021

Tamara Süess

«Lebe jeden Tag, als wäre es der letzte»

Tamara Süess ist Kaminfegerin im Fricktal, und wohnt in Birr. Ihren Beruf findet sie auch nach 20 Jahren noch spannend. Zur Erholung geht sie am Feierabend in den Stall zu ihrem Pferd, da könne sie abschalten.

 «Ich habe einen Beruf gewählt, der mehrheitlich von Männern ausgeübt wird, aber als ich die Lehre machte, habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Die Arbeit hat mich interessiert, und ich finde sie auch heute noch, nach 20 Jahren, spannend und abwechslungsreich. Ich kann sie mir einteilen, wie ich will, und ich mag den Kontakt mit den Leuten. Man kennt mich in Frick, und mein Markenzeichen sind meine langen, farbigen Fingernägel. Ich lasse sie mir regelmässig machen, das gönne ich mir. Und manchmal sind sie sogar praktisch bei der Arbeit.

Täglich am Feierabend gehe ich zu meinem Pferd in den Stall. Das ist für mich Erholung. Pferde haben mich schon immer fasziniert, ich bin mit ihnen grossgeworden. Meine Familie hatte selbst keine, aber wir wohnten vis-à-vis von einem Bauernhof.

Mit Jahrgang 1984 ist es für mich selbstverständlich, dass ich abstimmen gehen darf. Ich bin mit dem Frauenstimmrecht aufgewachsen. Schliesslich sind wir auch Menschen, wir haben unsere Meinung, und die sollen wir kundtun dürfen. Dass Frauen seither auch gewählt werden, finde ich gut. Wir haben eine andere Einstellung und suchen meist den einfacheren Weg zur Lösung eines Problems. Das sehe ich auch bei der Arbeit – und in die Politik bringt das eine andere Denkweise. Zusammen mit den Männern ergibt das eine gute Kombination. Die Zusammensetzung der Gremien sollte ausgewogen sein: nicht zu viele Frauen, nicht zu viele Männer. Das sollte theoretisch eine harmonische Einheit ergeben, die funktioniert. So siegt vielleicht auch einmal die Gerechtigkeit, was mir sehr wichtig ist.

Chancen, finde ich, sollte jede und jeder selbst ergreifen. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch. Es gibt immer einen Weg. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber schwierige Situationen zu meistern, wie zum Beispiel bei der Feuerwehr, als einige zuerst partout keine Frauen dabeihaben wollten, haben mich immer stärker gemacht.

Jetzt bin ich stolz darauf, bei dieser Porträtreihe mit Frauen mitgemacht zu haben. Auch das war eine Herausforderung, weil ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Aber ich bin immer daran, etwas auszuprobieren und an mir zu arbeiten. Für mich selbst wünsche ich, dass ich jeden Morgen gesund aufstehen und den Tag leben und geniessen kann, als wäre es der letzte. Für die Zukunft wünsche ich uns allen, dass wir mehr Menschenverstand einsetzen und wieder stärker aufeinander achten.»

Von Kristin T. Schnider


Frauenstimme der Woche / 26.04.2021

Doris Fischer-Taeschler

«Lassen wir der nächsten Generation den Freiraum, den sie braucht!»

Doris Fischer-Taeschler war Grossrätin der FDP und Präsidentin der Frauenzentrale. Ihrem Vater hatte sie also gezeigt, was sie mit diesem «Emanzentum» anstellen konnte. Sie träumt davon, mit ihrem Lebenspartner noch viele Winkel der Erde und die Menschen, die dort leben, kennen zu lernen.

Jetzt ist das Reisen eingeschränkt, die Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn ist aufgeschoben. Für Doris Fischer-Taeschler bedeutet Reisen Freiheit für den Kopf und die Seele. Aber sie war nie eine, die jammert. «Wir haben es gut hier, trotz Corona», sagt sie mit der heiteren Gelassenheit, die ihr vor 20 Jahren schon in einem Artikel in der Aargauer Zeitung zugeschrieben wurde, und die auch ihr Leitstern ist.

Ihre politischen Tätigkeiten – unter anderem als Grossrätin der FDP und Präsidentin der Frauenzentrale – liegen hinter ihr und von den beruflichen und ehrenamtlichen hat sie die meisten abgegeben. Mit 66 «in Halbpension» ist sie zufrieden mit sich und der Welt, und geniesst es, sich mit Herzblut den nationalen und internationalen Projekten zu widmen, die sie weiter betreut. Es ist schwer vorstellbar, dass Doris Fischer-Taeschler zu Hause sitzt und strickt. Sie lacht, und meint: «Das wäre auch schwierig für meinen Partner.» Ohne ihn, den emanzipierten Mann, der mitzog, wäre es ihr unmöglich gewesen, berufstätig und politisch tätig zu sein und vier Kinder grosszuziehen. «Ein Paar, das Kinder auf die Welt stellt, hat eine gemeinsame Aufgabe, da ist nicht nur die Frau gefragt!» sagt sie. Inakzeptabel findet sie, die seit je für Selbstverantwortung eintritt, und nichts von Bevormundung und dem schnellen Ruf nach dem Staat hält, dass ihren Töchtern und Söhnen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch immer Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Tagesschulen und verlässliche Kitas sollten selbstverständlich sein: «So kann der eigene Tagesrhythmus angepasst werden, sei es als Vater oder Mutter. Auf dem Weg zur Chancengleichheit braucht es bei allem Einsatz der einzelnen Person auch die entsprechenden Rahmenbedingungen und dazu noch die Solidarität von Gesellschaft und Staat, jenen, die es nicht schaffen, beizustehen.»

1971 war auch für sie, damals 16, ein zentrales Jahr. Im Gymnasium in Neuchâtel entdeckt sie, dass sie sich behaupten kann, und lässt sich wissbegierig auf die neue Sprache und Kultur ein. «Die Freude der Mutter über die Einführung des Frauenstimmrechts war ansteckend», erzählt Doris Fischer-Taeschler, «und ich selbst war sehr motiviert, den Vater mit seinem Unverständnis gegenüber diesem Emanzentum eines Besseren zu belehren.»

Das hat sie zweifellos geschafft, und ist nun stolz auf ihre Familie, darauf, dass sie immer positiv und mit viel Vertrauen vorwärts gehen konnte, und auf das Erreichte in Politik und Beruf. Viel von Letzterem reden mag sie nicht, denn was die Zukunft angeht, findet sie: «Jetzt ist die nächste Generation an der Reihe. Es ist nicht nötig, ihr dreinzureden. Ich hoffe, wir konnten sie befähigen, den Herausforderungen gewachsen zu sein. Lassen wir den Jungen den Freiraum, den sie brauchen!»

Von Kristin T. Schnider


Frauenstimme der Woche / 19.04.2021

Kathrin Steinmann

Wer bist du
Ich bin Kathrin Steinmann, 33 Jahre alt, Inhaberin und Geschäftsführerin der Buchhandlung Otz in Lenzburg. Nach der Matura habe ich Politologie studiert und die Wissenschaftlerin in mir mag es nach wie vor genau und strukturiert und will bei allem die Hintergründe verstehe. 2017 habe ich als Quereinsteigerin die traditionsreiche Buchhandlung Otz übernommen.

Wofür erhebst du deine Stimme
Als introvertierte Person erhebe ich meine Stimme weniger im wörtlichen Sinne, sondern bin eher bestrebt, meine Werte zu leben. Es ist mir wichtig, allen Menschen mit Respekt zu begegnen und mir bewusst zu sein, dass jede Person ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigenen Bedürfnisse und Erfahrungen mitbringt. Der natürlichen Umwelt gegenüber, dem eigenen Körper gegenüber und auch weil mir die „immer mehr, immer grösser“-Mentalität nicht entspricht, ist es mir je länger je wichtiger, bewusst zu konsumieren.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Da ich 16 Jahre später geboren wurde, bin ich mit der Selbstverständlichkeit aufgewachsen, dass Frauen das Stimm- und Wahlrecht haben. Es scheint mir aber immer wieder unfassbar, dass meine Grossmütter über 40 Jahre alt werden mussten, bis sie – interessierte und engagierte Frauen – politisch mitgestalten durften.

Chancengleichheit, was braucht es dazu
Respektvoller Umgang, Empathie, weniger Narzissmus. Genügsamkeit und weniger Angst, es werde einem etwas weggenommen, wenn anderen ebenfalls alle Möglichkeiten offenstehen.

Wovon träumst du
Persönlich strebe ich an, mehr Gelassenheit und innere Ruhe zu finden. Und ich denke, dass es auf die ganze Gesellschaft eine entspannende Wirkung hätte, würden wir alle mit weniger Leistungsdruck leben, müsste nicht alles immer mehr und grösser und besser sein. Weniger Streben nach Macht und Besitz, mehr Wertschätzen von Geborgenheit und Zufriedenheit, wäre das nicht schön?

Worauf bist du besonders stolz
Stolz empfinde ich als kurzfristiges Gefühl, als die Freude, wenn etwas gelingt. Langfristig ist es eher Dankbarkeit. Dafür, zu einer Zeit und in einem Umfeld zu leben, welche einem sehr viele Möglichkeiten eröffnen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in welcher es keinen Kampf für Gleichberechtigung mehr braucht, weil es ganz einfach eine Selbstverständlichkeit ist, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung etc. gleich behandelt werden.

Und ich wünsche mir einfachere Umstände, das „Richtige“ zu tun. Einerseits im Bereich des Konsums, indem der Entscheid, nachhaltig zu konsumieren dadurch vereinfacht wird, dass immer weniger Produkte schädlich produziert werden. Andererseits dass für jede Person „richtiges“ Handeln intrinsisch sein kann. Also so, wie es für jeden selber stimmt, ohne dass die Gesellschaft stetig wertet und urteilt, wo es nichts zu werten und urteilen gibt.

Leitsatz
Einen Leitsatz habe ich nicht, aber Werte, die ich zu leben versuche: Empathie, Respekt, Anstand.


Frauenstimme der Woche / 12.04.2021

Saskia Misteli

 „Muttersein ist Care-Arbeit!“

Saskia Misteli, Jahrgang 1987, erwartet die Geburt ihres zweiten Kindes «jeden Moment». Ihr erstes, ihr Sohn, ist zwei Jahre alt. Im Departement für Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachstelle Alter und Familie tätig.

Auf die Frage, wofür sie ihre Stimme erheben würde, antwortet sie spontan: «Für die Wertschätzung von Care-Arbeit!», und zitiert die Wirtschaftswissenschaftlerin  Adelheid Biesecker. «Keine menschliche Produktion ist möglich, ohne dass die Natur schon produziert hat, und keine Erwerbsarbeit ist möglich ohne vorher geleistete Sorgearbeit». Bei «Care-Arbeit» denken die meisten an Pflegepersonal, an Betreuung im Spital, in Alters- und Wohnheimen. Was nicht unrichtig ist. Saskia Misteli aber betont, dass sie selbst sich vor allem als Mutter in der Care-Arbeit sieht. «Es ist die Art von Arbeit, die gemacht werden muss. Wer Kinder betreut, kann nie einfach verschwinden, weggehen. Alles, was in diesem Bereich geleistet wird, ob von Müttern, Vätern oder weiteren Bezugspersonen, ist eine ganz wichtige Arbeit für die Gesellschaft!»

Deshalb wünscht sie sich für die Zukunft, dass die Zeit für Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, für die eigene Entwicklung und die Teilhabe an der Politik als gleichwertig betrachtet wird, und gleichmässig eingeteilt werden kann. «Für alle Menschen soll das so sein», sagt sie, «und das kann nicht einfach nur im Privaten ausgehandelt werden, zwischen Paaren oder mit der Delegation der Care-Arbeiten» Ein Anliegen, das genauso politisch ist, wie damals der Kampf um das Frauenstimmrecht. Sie, die damit aufgewachsen ist, ist sehr froh, dass es erkämpft wurde. Von einer älteren Generation Frauen, die lauter waren und «hässiger» als ihre eigene, die keinesfalls als Opfer dastehen will und zurückschreckt vor der Ablehnung, die laut werdende Frauen nach wie vor trifft. «Die Leute hören auch nicht zu, wenn eine polternd auftritt, und so findet auch kein Umdenken statt», sagt Misteli, «Aber wir dürfen uns jetzt nicht einfach auf dem Erreichten ausruhen»

Es ist nicht zu befürchten, dass Saskia Misteli sich zurücklehnen wird. Sie wird dranbleiben, und weiterhin für ihren Zukunftswunsch einstehen, als care-arbeitende Mutter, bei der Erwerbsarbeit, die sie voller Begeisterung ausübt, und in den Stunden, in denen sie sich die Zeit für das Backen ihres, wie sie sagt, hervorragenden Dinkelbrotes, nimmt.

Von Kristin T. Schnider


Frauenstimme der Woche / 06.04.2021

Corinne Dobler

Wer bist du?
Eine privilegierte Bewohnerin dieses Planeten, Geschöpf und Schöpferin

Wofür erhebst du deine Stimme?
Für mehr Bewusstheit. Dafür, dass wir dankbar sind, dass wir hier und jetzt leben. Dafür, dass alle Privilegierten sich einsetzen für jene, die dieses Glück nicht haben. Dafür, dass alle Geschöpfe und Lebewesen ein würdiges Leben auf diesem Planeten führen dürfen.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Das war noch vor meiner Geburt, ich erinnere mich nur dunkel.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Dass das weibliche Prinzip (wie z.B. Liebe, Intuition, Herz, Fürsorge, Hingabe, Kreativität) in der Wirtschaft und auf diesem Planeten einen gleich hohen Stellenwert bekommt wie das männliche (Verstand, Leistung, Erfolg, Dominanz, Rationalität).

Wovon träumst du?
Dass der Mensch wieder einen höheren Stellenwert bekommt als Profit und Kapital.

Woraus bist du besonders stolz?
Ich bin nicht stolz. Eher dankbar dafür, dass ich Pfarrerin und Seelsorgerin sein darf, und 2 wunderbare Kinder habe. Natürlich braucht es Ehrgeiz und Disziplin um ein Ziel zu erreichen, aber vor allem braucht es die richtige Umgebung, Glück und Segen um anzukommen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Dass wir die Sorgfalt und die Liebe zum Leben wieder wichtig werden lassen. Dass wir einander zuhören. Dass wir nicht in der Opfer- und Anklagehaltung verharren sondern aktiv die Welt zum besseren verändern. Gerade in unserem Land kann jede(r) dazu beitragen.

Leitsatz
Nichts und niemand kann uns trennen von der Liebe unseres Schöpfers.


Frauen Stimme der Woche / 29.03.2021

Karin Koch Sager

«Für Chancengleichheit müssen wir einstehen – aber beliebt macht dich das nicht»

An ihrem freien Tag gönnt sich Karin Koch Sager etwas Auszeit mit Yoga und einem ausgedehnten Spaziergang mit ihrem Hund. Seitdem ihre Schwester Ende 2019 in den Ruhestand ging, ist sie alleinige Geschäftsführerin des Bestattungsinstitutes Koch GmbH in Wohlen.

«Früher war der Familienbetrieb hauptsächlich ein Transportgeschäft. Das Bestatten war ein kleiner Teil davon. Als meine Schwester Doris und ich 1999 das Geschäft übernahmen, war die Art des Bestattens gesamtschweizerisch ziemlich schlicht. Wir sahen, da war ein grosser Bedarf an Veränderung, und dachten, dass wir als Frauen auch mehr Herz einbringen könnten. Am Anfang gab es viel zu bereinigen, zu investieren und neu aufzubauen. Mit den Jahren haben wir gemerkt, dass es ein schöner Beruf ist, den wir haben, und dass es ein Geschenk ist, mit den Menschen diesen gar nicht so leichten Weg gehen zu dürfen.

1971, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, war ich fünf Jahre alt und habe wohl die Unbeschwertheit des Lebens genossen. Andererseits war meine Familie in grosser Trauer, da mein damals siebenjähriger Bruder tödlich verunglückt ist.

Der Kampf um die Gleichberechtigung – als junge Frau habe ich mich gefragt, wo das Problem liegt. Bei uns zu Hause war das nie ein Thema. Meine Mutter kam aus Süditalien als «armes Tschinggeli» in die Schweiz. Sie war eine starke Frau, die tat, was sie wollte, und mein Vater hat sie nie daran gehindert. Sie war eine der ersten Frauen, die den Lastwagenführerschein gemacht haben, und auch meine Schwestern fuhren Lastwagen. Ich war erstaunt, als mir eine gleichaltrige Freundin später erzählte, dass ihre Mutter den Vater damals noch fragen musste, ob sie arbeiten gehen darf. Ich weiss also, dass es vielen Frauen anders ergangen ist als meiner Mutter und mir. Wir müssen an dem, was wir hier erreicht haben, dranbleiben. Das gebe ich meiner 17-jährigen Tochter mit: Wir Frauen sind genau gleich viel wert wie die Männer. Und irgendwen zu unterdrücken, ob Frau oder Mann, das geht gar nicht! Es geht um Gerechtigkeit, und dafür erhebe ich meine Stimme. Man muss sich für die Schwächeren wehren.

Für Chancengleichheit müssen wir einstehen, mutig sein und einfordern, was wir wollen. Das ist nicht einfach, weil wir Frauen immer noch schubladisiert werden. Es wird erwartet, dass wir nicht zu «taff» daherkommen. Ich musste mich im Lauf meines Berufslebens immer wieder einmal zurücknehmen, weil ich mich gegen die Männer, gegen alles gestemmt habe, wenn das «Tschinggeli» in mir hervorkam. Das ist in Ordnung, aber beliebt macht dich das nicht. Ich folge meinem Leitsatz: «Glaube an dich selbst!» Das hat mir auch geholfen, Familie und Geschäft – mein Mann hat auch eine eigene Firma – unter einen Hut zu bringen, und darauf bin ich stolz. Aber ich bleibe dabei bodenständig – was ich uns allen für die Zukunft wünsche – und werde immer etwas von dem Guten, das ich erlebe, weitergeben.

Von Kristin T. Schnider


Frauen Stimme der Woche / 22.3.2021

Carmen Schnider

Wer bist du?
Ich heiße Carmen Schnider, bin 31 Jahre alt und wohne in der St. Josef – Stiftung auf der Wohngruppe Eule in Bremgarten. Am Wochenende gehe ich zu meinen Eltern nach Oberrüti.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Freiheit und selber bestimmen, zum Beispiel in der Freizeitgestaltung. Gut aussehen, Selbstbestimmung in der Kleiderwahl und Frisur und respektiert werden.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Ich war noch gar nicht auf der Welt.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Gleichbehandlung trotz Einschränkungen.

Wovon träumst du?
Noch mehr Selbstständigkeit.

Woraus bist du besonders stolz?
Dass ich die öffentliche Schule besucht habe und dass ich mich zu den Modulen von sebit (Module zum eigenständigen Wohnen) angemeldet habe und diese auch besucht habe.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Dass alle Wege und Gebäude hindernisfrei sind.

Leitsatz
Ich möchte Raum für neue Ideen!


Frauen Stimme der Woche / 15.03.2021

Sadhyo Niederberger

„Ich habe ein Sensorium für Ungerechtigkeiten“

Sadhyo Niederberger ist freischaffende Künstlerin, Kunstbeauftragte am Kantonsspital Aarau und Kuratorin des Off-Spaces ECK in Aarau. Sie fand ihre Vorbilder in unabhängigen Frauen und hofft, dass sie auch künftig wagt, Neues zu denken.     

„Ich bin im ländlichen Freiamt aufgewachsen, in einer Familie mit starken Frauen, die sich durchsetzen und wehren konnten. Meine Mutter war sich als Wirtin gewohnt, ein Geschäft zu führen, Entscheide zu treffen und selbstbewusst aufzutreten. Dass sie 1971 endlich das Stimmrecht bekam, war längst überfällig. Damals war ich erst neunjährig, aber es erschien mir absurd, dass sie es nicht schon längst hatte.

Schon als Kind wusste ich, dass ich Künstlerin werden wollte, und suchte nach einer Alternative zu den damals gängigen Rollenmodellen. In der Künstlerin Eva Wipf fand ich so etwas wie ein Vorbild. Mein Schulweg führte am alten Haus mit dem Buchsbaumgarten vorbei, wo sie zusammen mit ihrer Partnerin und vielen Katzen ein Leben ausserhalb der Normen lebte. Ich war fasziniert und projizierte meine Wünsche in das geheimnisvolle Haus und in die fremde, aber attraktive Welt von zwei eigenständigen und unabhängigen Frauen. Diese Erfahrung hat mich begleitet und bestärkt.

Nachdem ich auf Wunsch meiner Eltern zuerst Kindergärtnerin wurde, studierte ich an der Kunsthochschule in Genf. Seither widme ich mein Leben der Kunst und der Kunstvermittlung. Wie ich jetzt arbeite, mit welchen Medien und Themen und wie ich diese mit meinem gesellschaftlichen Engagement verknüpfe, das macht mich aus als Künstlerin. Aber die Fragen nach meinem Status als Frau und dem sozialen Hintergrund bleiben bestehen, und immer noch ist vieles nicht selbstverständlich. Bis heute fühlt es sich manchmal an wie ein Kampf. Ich denke, dass ich deshalb ein Sensorium für Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeiten habe, und immer, wenn ich kann, engagiere ich mich vor allem für junge Kulturschaffende aus anderen Kulturen. Chancengleichheit heisst, Menschen jeglicher sexueller Ausrichtung, aus allen Schichten und jeglicher Herkunft sollen die gleichen Möglichkeiten haben. Auf dem Weg zu gleichen Chancen auch im exklusiven Feld der Kunst gibt es noch viel zu tun.

Für unsere Zukunft hoffe ich auf eine erwachsene, unabhängige, demokratische Gesellschaft, die sich nicht so leicht manipulieren lässt. Ich selbst werde dabeibleiben, mit ausgefahrenen Antennen durchs Leben zu gehen, und wünsche mir, den Mut zu behalten, Neues zu denken, Grenzen auszuloten und keine Angst vor dem Scheitern zu haben.“

von Kristin T. Schnider

Frauen Stimme der Woche / 08.03.2021

Petra Rohner

Wer bist du
Mein Name ist Petra Rohner. Als Netzwerkexpertin berate ich Fach-und Führungskräfte im Bereich Neuorientierung und bin Autorin der Bücher „EINFLUSSREICH NETZWERKEN“. Als Präsidentin der Stiftung SWONET – SWISS WOMEN NETWORK ist es mir ein Anliegen, Frauen und Frauen-Organisationen Sichtbarkeit zu geben.

Wofür erhebst du deine Stimme
Ich kämpfe für Chancengleichheit. Ich bin überzeugt, dass kein Mensch das Recht hat, sich über andere zu stellen. Jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft und leistet seinen Beitrag. Wir neigen dazu, bei Erfolg und im Wohlstand zu vergessen, dass das was wir haben, nicht immer nur unser Verdienst ist. Zu oft werden wertvolle Fähigkeiten nicht genutzt und gefördert, weil Menschen nicht die gleichen Chancen haben.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Ich ging noch zur Schule und setzte mich mit meinen Berufswünschen auseinander. Da ich in Deutschland aufgewachsen bin, wo das Frauenstimmrecht seit 1919 gilt, war die Frage, ob ich mich für mein Recht auf eine eigene Stimme einsetzen muss, nicht relevant. Erst als ich 1981 in die Schweiz kam realisierte ich, dass Frauen in der Schweiz erst seit 10 Jahren ein Stimmrecht hatten.

Chancengleichheit, was braucht es dazu
Es braucht einerseits die rechtliche Grundlage, andererseits oftmals auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Chancengleichheit bedeutet für mich auch, anderen Chancen zu gönnen, die man selbst nicht hatte. Leider ist das oftmals in unserer Gesellschaft nicht der Fall. Wir erwarten von der Wirtschaft, dass sie die Voraussetzung für Beruf und Familie schafft. Jedoch erlebe ich immer wieder, dass Frauen der Druck ihres Umfeldes, eine bessere Mutter zu sein und weniger oder gar nicht zu arbeiten, im Alltag noch immer viel Kraft kostet.

Wovon träumst du
Als Gründerin und Präsidentin der Stiftung SWONET ist es mir ein grosses Anliegen die Zusammenarbeit zwischen den Frauen-Organisationen noch mehr zu stärken. SWONET ist für mich ein Herzensprojekt, das ich mit der Unterstützung eines engagierten Stiftungsrates in den nächsten Jahren noch stärker ausbauen möchte. Mit den Kategorien SWONET ON STAGE und SWONET DIGITAL haben wir die Möglichkeit, Frauen und ihrer Expertise noch grössere Sichtbarkeit zu ermöglichen.

Woraus bist du besonders stolz
Ich bin stolz auf meine beiden Söhne, weil ich durch sie erlebt habe, dass es möglich ist eigene Ziele zu verfolgen und gleichzeitig zwei junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Sie zeigen mir umgekehrt immer wieder, dass sie ihrerseits stolz auf mich sind. Ich bin auch stolz darauf, dass ich es gewagt habe, mich vor über 10 Jahren im digitalen Umfeld beruflich neu zu positionieren. In einer Zeit, als noch niemand wusste, welchen Stellenwert die virtuelle Vernetzung haben wird, war ich bereits überzeugt, dass die Businessnetzwerke den Bewerbungs-und Rekrutierungsprozess verändern werden.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Junge Frauen sollen nicht vergessen, dass ihre Rechte bis vor 50 Jahren nicht selbstverständlich waren. Ältere Frauen sollen noch mehr bereit sein, die Position der aktiven Mentorin zu übernehmen. Nicht belehrend, sondern als Sparringspartnerin. Ich wünsche mir auch, dass junge Paare ihre Zukunft frühzeitig zusammen und mit gleichen Chancen auf persönliche Weiterentwicklung planen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob ihr Familienmodell den gesellschaftlichen Normen entspricht.

Leitsatz
Gebe zuerst - bevor Du von Anderen etwas erwartest


Frauenstimme der Woche / 01.03.2021

Lotti Baumann

Wer bist du
Ich bin Lotti Baumann, JG 74 von Beruf Bäuerin und Mutter von 4 Kindern

Wofür erhebst du deine Stimme
Ich setzte mich dafür ein, dass Bäuerinnen nicht in erster Linie zum Wohle des Betriebs und der Familie arbeiten und oft auch schweigen. Nur wenn Bäuerinnen ihre eigenen Werte leben und sich für ihre Rechte einsetzten, kann sich die Landwirtschaft insgesamt ändern. Ich setze mich dafür ein, dass Haus- und Familienarbeit genauso emanzipiert ist, wie jede andere bezahlte Arbeit auch.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Ungeduldig auf einer Wolke gewartet, bis die Zeit reif war, das Stimmrecht schon bei meiner Geburt (1974) als Geburtsrecht zu bekommen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu
Wir müssen aufhören zu werten. Jeder/jede soll ihr Leben leben dürfen, wie er/sie es sich vorstellt.

Wovon träumst du
Dass Frauen, die sich einsetzen, diskutieren und ihre Meinung durchsetzen, nicht als „schwierig“ empfunden werden.

Worauf bist du besonders stolz
Auf jede Angst, die ich überwunden habe, vor Leuten reden, Autobahn fahren, alleine irgendwohin gehen, Verantwortung übernehmen und natürlich auf meine Kinder.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Dass die Gesellschaft offen wird für alle Formen des Lebens, ohne zu werten.
Dass wir jedem Menschen zutrauen, Verantwortung für sich zu übernehmen.
Wenn jeder für sich selber schaut, ist für alle gesorgt.

Leitsatz
Ein kleiner Funke kann große Feuer entfachen


Frauenstimme der Woche / 22.02.2021

Amal Mawlud aus Fahrwangen

Wer bist du
Ich bin Amal, eine einfache Frau und eine Kämpferin. Mein Name hat eine Bedeutung. Amal heisst Hoffnung. Ich wohne in Fahrwangen seit 21 Jahren. Damals kamen wir als Asylanten in die Schweiz. Ich bin verheiratet und habe 4 Kinder und 2 Enkelkinder. Ich kümmere mich um meine Familie und arbeite noch als Köchin.

Was ist dir wichtig im Leben
Zufriedenheit, das ist mir wichtig. Dass wir Menschen die Fähigkeit haben Freude zu erkennen. Das können ganz kleine Sachen sein z.B. eine Blume oder ein Vogel der singt. Ich finde es sehr schön, wenn ich am Morgen aufstehe und die Sonne scheint, dann beginnt für mich ein zufriedener Tag.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht
Damals war ich 5 Jahre alt. Da lebte ich im Irak. Meine Mutter hat mir ein Ämtli gegeben. Sie sagte, du musst lernen Wäsche von Hand zu waschen und Wäsche aufzuhängen.

Was bedeutet dir Chancengleichheit
Ich habe schon als kleines Kind nicht akzeptieren können, dass ich Arbeiten im Haushalt machen musste und meine Brüder nicht. Mein grosser Bruder wollte mir einmal helfen, aber meine Mutter lies es nicht zu und meinte, das sei Frauenarbeit. Ich war eine Rebellin, ich konnte nicht verstehen und akzeptieren warum ich vieles nicht durfte, meine Brüder aber schon. Habe oft «nein» gesagt.

Die Eltern, speziell die Frauen, haben es mit der Erziehung der Kinder in der Hand, dass die Chancengleichheit selbstverständlich gelebt wird.

Von was träumst du
Wenn ich 60 Jahre bin, möchte ich einen Fotoapparat. Ich werde damit auf Reise gehen und arme Länder besuchen. Dort fotografiere ich Menschen die vergessen wurden. Kinder, die auf der Strasse leben, alte und beeinträchtige Menschen ohne Unterstützung. Dann organisiere ich eine Ausstellung und zeige meine Fotos. Fotos die das Leben schrieb.

Auf was bist du stolz
Ich konnte nur 6 Jahre die Schule besuchen und hatte keine Möglichkeit eine Ausbildung zu machen. Ich habe keine Papiere, die ich ausweisen kann.

Hier habe ich die Chance bekommen mich zu entwickeln. Lernte die Sprache, engagierte mich im Dorf, im Frauenverein. Bin heute gut integriert und habe viele gute und schöne Kontakte mit anderen.

Trotz vielen negativen Einflüssen habe ich gelernt Auto zu fahren und habe die Prüfung geschafft. Ich habe es geschafft, weil ich auf mich hörte und nicht auf andere. Das Autofahren ermöglichte mir, dass ich heute einen Job als Köchin ausüben kann.

Das Leben in der Schweiz
Nach drei Jahren in der Schweiz, habe ich mich als Frau wie neu geboren gefühlt. Mich interessierte die Kultur. Mir hat es gefallen, wie die Frauen gekämpft haben und finde es schön, welche Rechte sie haben. Es beeindruckt mich, dass es keinen Beruf gibt, den die Frauen nicht lernen könnten. Wie überall gibt es einiges, das nicht gut ist.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft
Dass man Menschen aus anderen Kulturen zuerst kennen lernt, bevor man ein Urteil bildet. Es gibt in jedem Land gute und schlechte Menschen.

Dass ich weiter arbeiten kann bis zur Pensionierung. Ich möchte immer selbständig bleiben bis zum Ende meines Lebens und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Leitsatz für das Leben
Nur wenn Du respektvoll mit anderen umgehst, wirst Du selbst Respekt ernten.


Frauenstimme der Woche / 15. Februar 2021

Regine Kern

Wer bist du?
Ich heisse Regine Kern Fässler, lebe mit meinem Mann und unseren drei jugendlichen und erwachsenen Kindern in Rombach.

Ich bin gelernte Gärtnerin, habe ein Studium in Hortikultur FH abgeschlossen, bin Gartenfachfrau und ausgebildete Ausbildnerin, Feldornithologin und glückliche Familienfrau. In meiner Freizeit pflege ich mit viel Leidenschaft unseren Naturgarten und leite eine ornithologische Naturjugendgruppe.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Für den achtsamen Umgang mit unserem Boden, für den Schutz von Natur- und Umwelt. Für Offenheit und Toleranz, für ein respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
In diesem Jahr bin ich zur Welt gekommen, an einem eisigen Wintertag. In diesem Jahr wohnten wir in einem abgelegenen Weiler auf dem bäuerlichen Betrieb meiner Grosseltern und Verwandten – zu diesem Flecken Erde spüre ich noch heute eine tiefe Verbundenheit.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Frauen, die mutig und gut ausgebildet sind und sich für sich selber einsetzen. Politische und gesellschaftliche Systeme, die den Frauen die gleichen Chancen ermöglichen. Mehr Frauen in Führungspositionen. Frauen, die andere Frauen in ihren Entscheidungen unterstützen.

Wovon träumst du?
Von einem grossen Garten voller Blumen und Gemüse, in dem ich mein Fachwissen über den naturnahen Garten, den biologischen Anbau von Gemüse, Kräutern und Beeren weitergeben kann. Ein Ort, der Menschen verbindet. Eine Oase, die entschleunigt und den Menschen die Vielfalt und Schönheit, Faszination und Verletzlichkeit der Natur nahebringt.

Woraus bist du besonders stolz?
Auf den schönen Schulgarten am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, den ich mit meinem Team aufgebaut habe. Auf die Mitwirkung beim neuen Brutvogelatlas der Vogelwarte Sempach. Auf die Distelfinken, Holzbienen und Zauneidechsen in unserem Garten.

Auf meine drei Kinder, die mutig für eine gerechte Zukunft einstehen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir der nächsten Generation einen gesunden und fruchtbaren Boden weitergeben. Dass weltweit mehr Frauen im Besitz von landwirtschaftlichem Boden sind. Dass wir gemeinsam den dramatischen Artenschwund und das Verschwinden von wertvollen Lebensräumen vor unserer Haustüre aufhalten.

Leitsatz
Selber denken und meinen Werten treu sein


Frauenstimme der Woche / 8. Februar 2021

Heidi Ammann

Wer bist du?
Eine selbstbewusste Frau, selbstständig und verwitwet.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Demut vor unserer Natur.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Als 14jährige entdeckte ich die Möglichkeiten des Lebens.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Menschen nach ihren Fähigkeiten zu messen und zu fördern, ob Frau oder Mann darf nicht maßgebend sein.

Wovon träumst du?
Eine Menschheit ohne Missgunst und Neid. Wer etwas erreicht im Leben hat meistens viel gewagt und manch anderer profitiert davon. Glück fällt nicht vom Himmel, das muss erarbeitet und erkämpft werden.

Worauf bist du besonders stolz?
Trotz dem plötzlichen Tod meines Mannes konnte ich mich als Witwe behaupten. Ich musste für unseren Schreinereibetrieb und unsere Mitarbeiter eine Nachfolgeregelung suchen, seitdem verwalte ich unsere gemeinsam erstellte Immobilie mit eingemieteten Firmen. Später bestand ich die Jagdprüfung und wurde als Pächterin aufgenommen. In dieser Männerdomäne führe ich seit einigen Jahren unseren Jagdverein als Präsidentin und Jagdleiterin.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Statt Ehebund neue „Lebensgemeinschaften“ definieren welche in die heutige Zeit passen, diese sollten für Eltern sowie deren Kinder besser zu leben, besser zu verwirklichen sein. Unsere Kinder sollen sich auf dem Erreichten ihrer Vorfahren weiter entwickeln, verändern und aufbauen dürfen.

Leitsatz
Achtung vor allen Lebewesen und unserer Natur.


Frauenstimme der Woche / 1. Februar 2021

Eva Noth, Familienfrau und Musikerin

Wer bist du?
Eva Noth, Familienfrau und Musikerin, Eva steht für LEBEN, Not(h) erlebe ich zum Glück selten, da ich viel Musik um mich herum habe…

Wofür erhebst du deine Stimme?
Für ein menschliches Miteinander und einen respektvollen Umgang mit Mutter Natur.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Sternchen geputzt und mich darauf vorbereitet, in einem Jahr auf die Welt zu kommen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Funktionierende Netze, unterstützende Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, wohlwollende Chef*innen. Menschen in Führungspositionen, die wissen, dass uns alle Lebenserfahrungen weiterbringen - familiäre ebenso wie berufliche. Offenheit gegenüber andere. Begegnungen zulassen mit Menschen jeglicher Art, jeglichen Alters, jeglicher Begabung.

Wovon träumst du?
Von einer Welt, in der in allen Ländern und Kulturen Frauen körperlich unversehrt bleiben und Zugang zu Bildung und freier Partnerwahl haben.

Woraus bist du besonders stolz?
Auf unsere drei Töchter, für die Emanzipation viel selbstverständlicher ist als für meine Generation. Und auf meinen Spagat, Familie, Beruf und musikalische Berufung unter einen Hut zu bringen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Für alle Mädchen und Frauen ein weiter wachsendes Selbstverständnis, auf dass meine Enkelinnen sich dereinst wundern, dass es mal eine Zeit gab, in der zum Beispiel Männer mehr verdienten als Frauen.

Leitsatz
Miteinander zuversichtlich unterwegs!


Frauenstimme der Woche / 25. Januar 2021

Pia Viel

Wer bist du?
Ich bin Pia Viel, 61 Jahre jung, positiv, Energie geladen und immer für Neues zu begeistern. Ich lebe im Raum Baden und hier bin ich auch aufgewachsen. Meine Mitbewohner sind mein Mann, mein Sohn, Kater Leo und 11 Landschildkröten. Schon früh habe ich gemerkt, dass ich gerne Führung übernehme und gerne eigenständige Wege gehe.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Bildung, Chancengleichheit, Familien und Frauen dafür setze ich mich ein. Angefangen hat alles vor über 20 Jahren im Katholischen Frauenverein Ehrendingen, als ich in den Vorstand gewählt wurde. Das Amt der Kassierin habe ich über 10 Jahre lang ausgeübt. In dieser Zeit wurde ich auch in die Schulpflege gewählt, habe vier Jahre den Kindergarten betreut und ganz nebenbei den Mittagstisch Ehrendingen gegründet. Für weitere 8 Jahre war ich dann auch als Schulpflegepräsidentin tätig und habe dieses Amt mit viel Engagement ausgeführt.

Durch den Aufbau, die Führung und den Ausbau des Mittagstisches in Ehrendingen kam ich mit vielen administrativen und politischen Schwierigkeiten in Berührung. In vielen Ortschaften wurden Vereine gegründet oder Eltern- und Frauenvereine übernahmen die Aufgabe ohne Hilfe von Behörden und finanziellen Ressourcen. Man begrüsste die Angebote, aber eine Unterstützung musste immer hart erkämpft werden. Damit diese Arbeit nicht jede Organisation neu erfinden musste, gründete ich mit vier Gleichgesinnten den Dachverband Tagesstrukturen Mittagstisch Aargau. Wir halfen mit Knowhow, mit Mustervorlagen, Weiterbildung für Betreuerinnen und Vorstandsmitglieder und setzten uns politisch für das neue Kinderbetreuungsgesetz im Kanton Aargau ein. Diese Arbeit führen wir auch heute noch weiter.

Nicht lange nach der Beendung meiner Schulpflegearbeit kam die Anfrage für den AKF Aargauischen Katholischen Frauenbund. Zuerst arbeitete ich in der Frauenpreiskommission, danach kam das CO-Präsidium und seit 2017 das Präsidium. Als ich meine erste Delegiertenversammlung vor über 120 Frauen durchführte, spürte ich die enorme Frauenpower im Saal. Jede dieser Frauen engagiert sich im Ortsverein mit viel Engagement für die verschiedensten Anliegen mit freiwilliger Arbeit. Auch heute noch macht es mich stolz ihre Präsidentin zu sein und es ist mir ein grosses Anliegen mich für die Frauen in der Kirche, in der Gesellschaft und in der Politik einzusetzen.

Warum engagierst du dich in der Politik?
Durch Vernetzungen im Zusammenhang mit meinen Tätigkeiten kam ich erst in den letzten fünf Jahren zur Politik und kandierte schon zweimal für den Grossen Rat und einmal an den Nationalratswahlen. Wahlkampf habe ich als ein spannendes Wir Erlebnis empfunden. Man kämpft zusammen im Team für ein gutes Parteiergebnis, damit die Ziele der Partei umgesetzt werden können. Zurzeit bin ich die Präsidentin der CVP im Bezirk Baden. Hier kann ich mich für meine Werte einsetzen, Menschlichkeit, Solidarität und Respekt. Und erhebe meine Stimme für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Chancengleichheit auf der Welt, wie auch für Mann und Frau: Von jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde, ein bisschen mehr Toleranz gegenüber dem Anderen.

Für die Zukunft ist mein Wunsch ein gutes Miteinander von allen Menschen in der Gesellschaft, der Wirtschaft und auch in der Kirche.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Ich war 12 Jahre alt und besuchte die Sekundarschule in Untersiggenthal. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Denn meine Mutter und auch mein Vater waren sehr stolz, als meine Mutter das Stimmrecht erhielt und sie liess nie eine Abstimmung aus. Es war ihr wichtig dieses Recht der Stimmabgabe wahrzunehmen und an uns Kinder hat sie diese Wichtigkeit weitergegeben.

Worauf bist du besonders stolz?
Ich bin jederzeit offen für neue Projekte und reisse sie auch gerne an. Für die nötige Unterstützung hole ich mir je nach Sache, Personen mit Fachwissen oder mit Interesse ins Team. Ich bin stolz wenn ich die Ressourcen jedes einzelnen Teammitgliedes hervorbringen konnte und Wir gemeinsam etwas erreicht haben oder ins Rollen gebracht haben.

Leitsatz
„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei)


Frauenstimme der Woche / 18. Januar 2021

Melanie Holle
«Den Kampf wird es immer geben»

Wer bist du?
Ich bin ich. Melanie Holle, zwanzig Jahre alt und Studentin Pädagogik.

Ich bin eine dieser jungen Frauen, die es satthaben eine Besonderheit auf politischen Events zu sein. Ich bezeichne mich selbst als eine ehrgeizige, willensstarke und fröhliche Person. Ich mag es anderen Menschen zu helfen, ihnen durch kleine oder grosse Gesten ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. Für mich ist das Leben kein Geschenk, sondern eine Chance einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Ich gehe gerne mit einem Lächeln und einem ersten Blick durch diese Welt. Das Lächeln, um den Menschen Mut und Freude zu bringen, der ernste Blick, um sie wissen zu lassen, dass ich meine, was immer ich sage. Ich bin im Allgemeinen der Überzeugung Taten sagen mehr als Worte.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Ich setze mich für jene ein, deren Stimme nicht gehört werden. Ich setze mich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, Ethnien, sexuellen Orientierungen und Religionen ein. Ich möchte nicht weiter in einer Welt leben, in der gewisse Menschen von der Gesellschaft und ihren Vertretern systematisch diskriminiert werden. Dies bedeutet für mich auch, dass ich mich für den Systemwandel und den Kampf gegen den Klimawandel einsetze. Denn dieser fördert und schafft weitere Ungleichheiten, welche es zu verhindern gilt.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Als mein einzigen Nachteil, eine der jüngeren Frauen in der Politik zu sein, sehe ich, dass ich weder die Einführung des Frauenwahlrechts noch den ersten Frauenstreik erlebt habe. Aus diesem Grund kann ich diese Frage nur mit Humor und „meine Eltern waren noch nicht mal geboren also nichts“, beantworten.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Die Unterstützung und Förderung aller Menschen unserer Gesellschaft muss zur obersten Priorität der Politik werden. Für mich als zukünftige Lehrerin bedeutet das, dass ich gratis Nachhilfe und Unterstützung aller Schüler*innen und ihrer Eltern, unabhängig ihrer Nationalität oder finanziellen Situation, zu meiner obersten Priorität machen möchte. Kinder, die sich in den Auffangstationen für Flüchtlinge befinden, verdienen genauso Unterricht und Förderung wie jene die es nicht tun. Von der Gesellschaft braucht es die Anerkennung aller Menschen. Von der Politik braucht es im Gegenzug gezielte Programme zur Unterstützung jener Menschen mit weniger Geld oder Möglichkeiten. Für mich ist klar, dass das Einkommen der Eltern keine Rolle spielen sollte, weder im Berufswunsch noch in der Vorstellung der Lebensgestaltung von Kindern.

Wovon träumst du?
Ich träume von einer Regierung die systematischen Rassismus, Sexismus und Homophobie nicht nur theoretisch, sondern praktisch bekämpft. Ich möchte dies erreichen, in dem ich mich jetzt für eine nachhaltige und soziale Politik einsetze und mich nicht unterkriegen lasse. Konkret ist es mein Wunsch, dass es in Zukunft keine Schlagzeilen mehr gibt, wenn eine Frau Vizepräsidentin von Amerika wird, sondern dass dies der Normalität entspricht. 

Worauf bist du besonders stolz?
Mit meinem Engagement in der Politik kleinen Mädchen zu zeigen, dass man weder alt noch männlich sein muss und auch keine Liste voller politischer Ämter braucht, um etwas verändern zu können. Ich habe im Jahr 2020 mehrfach die Chance erhalten zu zeigen, für was ich stehe und was mir wichtig ist, dafür bin ich dankbar und habe mich selbst stolz gemacht. Zum Beispiel mein Vortrag zum Thema Klimafeminismus am Event „Frauen und Politik Fricktal“. Ich bin generell der Meinung das Taten mehr sagen als Worte. Es stört mich das sich die Medien oft mehr für die Politiker und ihre Familienplanung als ihre Taten, wofür sie sich einsetzen interessieren. 

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Mädchen* und Jungen* die die Hoffnung genauso wenig aufgeben wie ich und jeden Tag für ihre Rechte einstehen und für diese kämpfen. Ich denke es ist eine Illusion, dass der Kampf für Gerechtigkeit und deren Einhaltung mit meiner Generation zu Ende geht. Diesen Kampf wird es immer geben, doch die Menschen, die ihn führen werden nicht mehr Aussenseiter, sondern die Mehrheit sein.

Leitsatz
Taten statt Worte.


Frauenstimme der Woche / 11. Januar 2021

Margrit Hasler, Muhen
«Menschen unvoreingenommen begegnen»

Wer bist du?
Mein Name ist Margrit Hasler - ich sehe mich als gesellige, humorvolle und unternehmungslustige Person und geniesse das Leben in all seinen Fassetten. Aufgewachsen bin ich in Muhen, als jüngste von vier Geschwistern und durfte eine sehr liebevolle Kindheit verbringen. Beruflich konnte ich meiner Leidenschaft als Damen und Herren Coiffeure erfüllt bis zur Pension nachgehen. Aus der Ehe mit meinem langjährigen Partner entstand eine Familie mit zwei gesunden Kindern, mit dem frühen und unerwarteten Tod meines Mannes hat sich unser Leben jedoch drastisch verändert. Plötzlich waren wir auf uns allein gestellt. Auch dank der Unterstützung der Familie und Freunde lernten wir das Leben neu zu bewältigen, was uns glücklicherweise gut gelungen ist und wofür ich dankbar bin.

Wofür erhebst du deine Stimme?
-Familie und Freunde
-Gerechtigkeit
-Sicherheit
-Vertrauen
-Mitbestimmung in Form unserer CH-Stimmabgabe Möglichkeit

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Nach meiner Schulzeit absolvierte ich ein Haushaltsjahr und durfte dabei viele Erfahrungen sammeln.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
In meinen Augen ist es wichtig den Menschen unvoreingenommen zu begegnen, sie wahrzunehmen und zu anerkennen, damit eine Gleichberechtigung möglich ist.

Wovon träumst du?
Wenn es meine Gesundheit erlaubt, wünsche ich mir noch lange in meinem Zuhause bleiben zu können, um den Garten zu pflegen und zu geniessen. Weiter träume ich von einer Reise ins Ausland, um eine Fremdsprache zu erlernen.

Worauf bis du besonders stolz?
Besonders glücklich und sehr stolz bin ich auf meine beiden Kinder, die selbstständig ihren Weg gehen und schätze, dass wir es zusammen «guet händ».

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die nächste Generation zufrieden, in einer sicheren sowie umweltbewussteren Welt aufwachsen wird und gute Zukunftsperspektiven hat.

Leitsatz
Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen.
Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe.
Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.
~Laozi/Laotse~


Frauenstimme der Woche / 4. Januar 2021

Chiara Schlenz (19, Studentin und Journalistin): «Mir liegt Gleichberechtigung in jedem Sinn sehr am Herzen.»

Wer bist du?
Mein Name ist Chiara Schlenz, ich bin Journalistin, Studentin, Tochter und Freundin. Zum Zeitpunkt dieses Interviews bin ich noch nicht ganz 20 und beende mein erstes Semester an der Fachhochschule.

Wofür erhebst du deine Stimme?
Mir liegt Gleichberechtigung in allen Sinnen sehr am Herzen. Dazu zähle ich nicht nur die Gleichheit von Frau und Mann – sondern auch von unterschiedlichen Herkünften, sozialen Schichten und auch Sexualitäten und Persönlichkeiten.

Was hast du im Jahr 1971 gemacht?
Im Jahr 1971 war ich noch weit hinter dem Mond, wie man so schön sagt.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?
Um wahre Chancengleichheit zu erreichen braucht es noch weitaus mehr Bestrebungen, privat sowie auch politisch. Unsere Gesellschaft muss umdenken und handeln. Leere Worte und Frauenquoten reichen nicht mehr aus. Die Gesellschaft muss nachhaltig auf die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern sensibilisiert und aufgeklärt werden.

Wovon träumst du?
Ich freue mich schon sehr darauf, mein Studium abzuschliessen und dann „richtig“ arbeiten zu können. Auch möchte ich gerne noch mehr Reisen und andere Kulturen kennenlernen – und mehr Zeit haben um zu lesen.

Worauf bist du besonders stolz?
Besonders stolz bin ich wohl auf meinen beruflichen Werdegang. Ich konnte schon direkt nach der Mittelschule damit beginnen, meinen Traumberuf auszuüben und meine Chancen zu nutzen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass unsere Generationen ihre Probleme selber in den Griff bekommt und zukünftige Generationen nicht ebenfalls unter Diskriminierung und Benachteiligung aller Art und dem Klimawandel leiden müssen.

Leitsatz
Sag es so, wie es ist.

Aargauer Zeitung
Porträtserie
Frauenstimmen aus dem Aargau: «Sag es so, wie es ist»


Unter dem Dach der Frauenzentrale Aargau laufen folgende Dienstleistungsbetriebe mit Angeboten für Frauen und ihr soziales Umfeld sowie für Menschen in schwierigen Lebenssituationen:

Anlaufstelle Häusliche Gewalt 
Selbsthilfezentrum
Alimenteninkasso
Budgetberatung
Rechtsberatung
Trennungsberatung
Mütterhilfe

 
Wir sind eine private Non-Profit-Organisation, parteipolitisch unabhängig und konfessionell neutral.

Vereinbarkeit von Lebenswelten